Informationen für Nahestehende

Meine Partnerin / mein Partner trinkt.

Mit jemandem zusammenzuleben, der ein Alkoholproblem hat, ist oft eine grosse Belastung.

Die Situationen, die Partnerinnen und Partner erleben, können sehr unterschiedlich sein. Manche machen sich Sorgen, dass Alkohol ein Problem sein könnte und wissen nicht, wie sie die Situation ansprechen sollen. Manche leben seit langer Zeit mit jemandem zusammen, der/die schwer alkoholabhängig ist und vielleicht schon mehrere Rückfälle hatte.

Mein Freund ist alkoholsüchtig…

Mein Freund ist alkoholsüchtig  ‒ alles hat er verloren ‒ seine Eltern, seine Geschwister, seinen Job und seine Freunde ‒ ich bin noch da ‒ aber ich kann und mag nicht mehr – er will aber nicht gehen ‒ ich habe ihn schon rausgeschmissen ‒ wie tief muss er sinken , dass er endlich zur Vernunft kommt?
Ich möchte mit all dem Scheiss nichts mehr zu tun haben ‒ ich trinke und rauche nicht, ich gehe meiner Arbeit nach und will einfach meine Ruhe ‒ Was und wie ist es möglich, dass es bei ihm Klick macht?

Aus einem Internetforum

Beim letzten Mal…

Beim letzten Mal hat sie mir versprochen, keinen Alkohol mehr zu trinken. Doch zack! 3 Wochen später war sie sturzbetrunken und hat sich total asozial und abscheulich verhalten! Das war für mich einfach nur noch erniedrigend vor allen Leuten und hat mich tief getroffen!
Daraufhin habe ich die Beziehung beendet. Doch sie möchte unbedingt zurück und sagt, dass sie daraus gelernt hat, und versprochen, nie wieder zu trinken.... Das hat sie alles bereits schon einmal gesagt und behauptet, alles sei nun anders. Mein Umkreis ist sehr kritisch aufgrund der Vorkommnisse!

Aus einem Internetforum

So unterschiedlich die Situationen alkoholabhängiger Personen sein können, so unterschiedlich sind die Belastungen, denen ihre Partnerinnen oder Partner ausgesetzt sind. Aber ihnen allen ist gemeinsam, dass sie besonders nah mit der betroffenen Person zusammenleben und die Auswirkungen eines Alkoholproblems sehr unmittelbar miterleben.

Was können Sie als Partner oder Partnerin tun?

Das Wichtigste ist, miteinander zu reden. Sagen Sie der betroffenen Person, was Ihnen Sorgen macht, was Sie sich von der Partnerschaft wünschen, aber auch welches Ihre Bedürfnisse sind, was Ihnen fehlt und was Sie stört. So machen Sie Ihrem Gegenüber auch klar: Die Partnerschaft ist mir wichtig, ich will, dass sie funktioniert. Aber dafür muss sich etwas ändern.

Fragen Sie Ihre Partnerin/Ihren Partner wie er/sie die Situation wahrnimmt. Vielleicht ist er/sie bereit, ernsthafte Schritte zur Veränderung zu unternehmen, vielleicht aber auch (noch) nicht. Häufig leugnen Menschen mit einem Alkoholproblem dieses. Es ist schwer, ein Alkoholproblem vor sich selbst und anderen einzugestehen. Das Leugnen ist ein Versuch, sich vor dieser Einsicht zu schützen.

Wenn sich bei der betroffenen Person (gegenwärtig) nichts bewegt, ist es für Angehörige umso wichtiger, sich auch sich selbst zuzuwenden und zum eigenen Wohlbefinden Sorge zu tragen.

Vergessen Sie nicht: Es gibt ein Leben neben dem Alkoholproblem! Sie haben das Recht, dieses zu geniessen und ihm Gewicht zu geben. Es ist wichtig, dass Sie trotz allem Freude, Entspannung und Unbeschwertheit erleben.

Lesen Sie auch die Informationen unter dem Titel. "Ein Freund, eine Freundin oder" eine andere nahestehende Person trinkt".

Es ist für Angehörige oft nicht leicht, den eigenen Weg zu finden. Beratungsstellen für Alkoholprobleme sind auch für Angehörige da, sie können Ihnen dabei helfen. Die Fachpersonen unterstehen der Schweigepflicht und beraten in der Regel kostenlos. Es gibt Selbsthilfegruppen für Angehörige; auch sie können wichtige Unterstützung bieten.

Wenn Kinder da sind

Wenn ein Elternteil oder wenn beide Elternteile ein Alkoholproblem haben, entstehen häufig Spannungen oder Situationen, die Kinder nicht richtig einordnen können. Kinder merken in der Regel sehr gut, dass in der Familie etwas nicht stimmt. Oft glauben sie  dann auch, in irgendeiner Weise an den Problemen Schuld zu sein. Häufig leiden solche Kinder. Es ist wichtig, diese Kinder zu unterstützen. Auch wenn Sie als Vater oder Mutter selbst von einem Alkoholproblem betroffen sind, können Sie viel tun! Beachten Sie die Informationen in den Broschüren "Kinder aus alkoholbelasteten Familien" und "Eltern vor allem – Eltern trotz allem".

Diese Broschüren können Sie auch auf der Webseite von Sucht Schweiz (Versandkosten werden in Rechnung gestellt) oder mit einem frankierten Rückantwortkuvert bestellen (Adresse unten stehend).

Papa trinkt. Mama trinkt. Informationen für Kinder und Jugendliche

Informationen für Kinder und Jugendliche 

Wenn Vater oder Mutter zu viel Alkohol trinken, ist das für Kinder und Jugendliche oft sehr schwer. Viele machen sich Sorgen und sind verunsichert.
Sorgst Du Dich, weil Deine Mutter oder Dein Vater viel Alkohol trinkt? Die Webseite www.papatrinkt.ch oder www.mamatrinkt.ch ist für Dich da! Dort findest Du Informationen und Hilfe. Die Website ist aufgeteilt in einen Bereich für 8- bis 12-Jährige und einen für ältere Kinder und Jugendliche. Komm uns doch besuchen!

Über diese Website kannst Du auch mit Fachleuten Kontakt aufnehmen und mit anderen Kindern oder Jugendlichen diskutieren, die eine ähnliche Situation erleben.

Meine Mutter trinkt in letzter Zeit immer mehr…

Meine Mutter trinkt in letzter Zeit immer mehr und ich weiss nicht, was ich tun soll. Wenn sie nichts getrunken hat, haben wir es lustig und verstehen uns gut. Doch sobald sie was getrunken hat, gibt es Ärger. Auch mit den Nachbarn.

Was kann ich tun, um ihr und auch mir zu helfen? Sie weiss es insgeheim, sagt aber immer der Alkohol sei ein Beruhigungsmittel für sie...

Aus einem Internetforum

Ein Elternteil trinkt. Informationen für Erwachsene.

Eine Kindheit in einer Familie mit Alkoholproblem

Wenn Sie in einer Familie aufgewachsen sind, in der ein oder beide Elternteile ein Alkoholproblem hatten, tragen Sie das Erlebte vielfach auch als erwachsener Mensch noch mit sich herum.

Viele, die in einer alkoholbelasteten Familie aufgewachsen sind, entwickeln gerade deshalb einen starken Willen, Einfühlungsvermögen, Mut und Optimismus. Viele aber tragen auch im Erwachsenenalter schwer am Erlebten.

Ich bin eine erwachsene Tochter…

Ich bin eine erwachsene Tochter eines Alkoholikers…

Was mich im Moment gerade so beschäftigt, ist warum einen die Vergangenheit noch immer so stark beeinflussen kann im alltäglichen Leben. Warum man immer wieder mit seinen Macken zu kämpfen hat. Zu wenig Selbstvertrauen, Perfektionismus, Angst vor Nähe etc.

Natürlich erreicht man einiges wenn man daran arbeitet. Aber ich wünsche mir, dass ich die Vergangenheit als Vergangenheit abschliessen kann… Kann man die Thematik überhaupt irgendwann ganz abschliessen?

Kann man lernen, ein leichteres Leben zu leben? Es sich nicht immer so schwer zu machen? Ich wünsche mir Unbeschwertheit.

Aus einem Internetforum

Erwachsene Kinder aus alkoholbelasteten Familien leiden häufig an Schuldgefühlen oder einem schlechten Selbstwertgefühl. Viele haben Mühe damit, einzuschätzen, was in Beziehungen normal ist. Sie haben ein erhöhtes Risiko für psychische Krankheiten, zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen. Das Risiko, selber ein Alkoholproblem zu bekommen, ist für sie höher als bei anderen. Sie gehen auch häufiger Beziehungen mit Menschen mit einem Alkoholproblem ein.

Wenn bei Ihnen Erlebnisse aus der Kindheit nachwirken und Sie belasten, können Sie in einer Selbsthilfegruppe oder in einer Therapie die eigene Geschichte besser verstehen lernen und neue Wege finden, damit umzugehen.
Mehr Informationen zur Situation von erwachsenen Kindern, die in einer alkoholbelasteten Familie aufgewachsen sind, finden Sie in der Broschüre „Kinder aus alkoholbelasteten Familien“ (Seiten 10 und 11).

Diese Broschüre können Sie auch auf der Webseite von Sucht Schweiz (Versandkosten werden in Rechnung gestellt) oder mit einem frankierten Rückantwortkuvert bestellen (Adresse unten stehend).

Wenn betagte Eltern ein Alkoholproblem haben

Es ist oft nicht einfach, bei Nahestehenden ein Alkoholproblem zu erkennen. Bei einer älteren Person kann es zudem sein, dass Symptome eines Alkoholproblems für Anzeichen des Alters gehalten werden.

Häufig haben Nahestehende Hemmungen zu reagieren. Viele befürchten, der betreffenden Person zu nahezutreten, oder sie wollen ihr nicht dieses vermeintliche kleine Vergnügen nehmen. Für die Würde und das Wohlbefinden eines Menschen ist es aber wichtig, dass Angehörige oder Freunde auf ein mögliches Alkoholproblem reagieren. Man sollte ein solches nicht unter dem Vorwand des Alters ignorieren. In jedem Lebensalter ist das Überwinden einer Abhängigkeit ein grosser Gewinn an Lebensqualität! Mehr Informationen für ältere Menschen und ihre Nahestehenden finden Sie in der Broschüre "Alkohol und Medikamente beim Älterwerden".

Diese Broschüre können Sie auch auf der Webseite von Sucht Schweiz (Versandkosten werden in Rechnung gestellt) oder mit einem frankierten Rückantwortkuvert bestellen (Adresse unten stehend).

Ein Freund, eine Freundin oder eine andere nahestehende Person trinkt.

Praktisch jeder und jede kennt im eigenen Umfeld Menschen, die zu viel trinken. Vielleicht fragen Sie sich, was Sie tun können, ohne der betroffenen Person zu nahezutreten.
Für jemanden, der ein Problem mit Alkohol hat, ist es oft sehr schwer, dies selbst zu merken oder es sich einzugestehen. Deswegen sind Reaktionen aus dem Umfeld sehr wichtig. Bei Betroffenen kann das Fragen auslösen: „Da macht sich jemand Sorgen. Sollte ich vielleicht wirklich mal hinschauen?“

Das Gespräch suchen

Es sind in erster Linie persönliche Gespräche, die etwas auslösen können:  

  • Sprechen Sie die betreffende Person an. Sprechen Sie über Ihre Sorgen und über Ihre Beobachtungen: „Ich bin besorgt.“, „Ich habe beobachtet, dass…“. Sprechen Sie über sich selbst und über Ihre eigenen Gefühle, denn so vermeiden Sie es, dass sich Ihr Gegenüber angegriffen fühlt.
  • Stellen Sie Fragen: „Wie siehst du das?“ „Könntest du dir vorstellen, die Situation mit einer Fachperson zu besprechen?“ So vermeiden Sie, dass Sie Vorschriften machen und dass Ihr Gegenüber das Gefühl hat, Sie mischen sich in sein Leben ein. Zudem signalisieren Sie auf diese Weise Offenheit für ein Gespräch.
Ich musste mir heute…

Ich musste mir heute eine gut gemeinte Standpauke von meinem Bruder anhören, in der es um das Thema Alkohol ging.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mich nicht zum Nachdenken angeregt hätte. Und trotzdem sitze ich hier wieder mit meinem ersten Bier und weitere werden folgen...

Ab wann ist der Alkoholkonsum ein Problem?

Aus einem Internetforum

Mit einem Gespräch können Sie unter Umständen viel auslösen. Aber die Entscheidung zur Veränderung können Sie niemandem abnehmen. Sie sind weder für den Konsum der betreffenden Person noch für deren Entscheidungen verantwortlich.

Konsum nicht erleichtern

Tun Sie nichts, was den Konsum der betreffenden Person erleichtern könnte. Bringen Sie zum Beispiel als Geschenk Blumen oder ein Dessert mit statt Alkohol. Oder leihen Sie kein Geld aus, wenn Sie damit rechnen müssen, dass dieses für Alkohol ausgegeben werden könnte. 

Verantwortung überlassen

Nehmen Sie der betreffenden Person keine Aufgaben ab, die sie selbst erledigen sollte und schützen Sie sie nicht vor negativen Auswirkungen ihres Konsums. Es ist wichtig, dass die Betroffenen die Verantwortung für ihren Konsum tragen und die Konsequenzen spüren. Oft sind es gerade solche Probleme, die den Betroffenen zeigen, dass etwas nicht mehr stimmt. 

Vor unmittelbaren Gefahren schützen

Bewahren Sie aber jemanden im Rahmen des Möglichen vor unmittelbaren Gefahren: Hindern Sie jemanden, der alkoholisiert ist, zum Beispiel daran, Schwimmen zu gehen oder ein Fahrzeug zu lenken. Schlagen Sie zum Beispiel vor, Ihnen die Autoschlüssel auszuhändigen oder ein Taxi zu rufen. Wenn die betreffende Person darauf besteht, das Fahrzeug zu lenken, fahren Sie unter keinen Umständen mit.

Sehr starker Alkoholkonsum kann auch zu Bewusstlosigkeit führen: Bringen Sie die betroffene Person in eine stabile Seitenlage und rufen Sie die Ambulanz.

Wenn Kinder da sind

Wenn ein Elternteil oder wenn beide Elternteile ein Alkoholproblem haben, entstehen häufig Spannungen oder Situationen, die Kinder nicht richtig einordnen können. Kinder merken in der Regel sehr gut, dass in der Familie etwas nicht stimmt. Oft glauben sie  dann auch, in irgendeiner Weise an den Problemen Schuld zu sein. Häufig leiden solche Kinder. Es ist wichtig, diese Kinder zu unterstützen. Auch wenn Sie als Vater oder Mutter selbst von einem Alkoholproblem betroffen sind, können Sie viel tun! Beachten Sie die Informationen in den Broschüren "Kinder aus alkoholbelasteten Familien“ und „Eltern vor allem – Eltern trotz allem“.

Diese Broschüren können Sie auch auf der Webseite von Sucht Schweiz (Versandkosten werden in Rechnung gestellt) oder mit einem frankierten Rückantwortkuvert bestellen (Adresse unten stehend).

Mein Arbeitskollege/meine Arbeitskollegin trinkt.

Oft gehören Arbeitskolleginnen und -kollegen zu den ersten, die merken, dass jemand ein Alkoholproblem haben könnte. Sie machen sich Sorgen um die betroffene Person und fragen sich, was sie tun können.

Arbeitskolleginnen und -kollegen können wie andere Freunde oder erwachsene Nahestehende reagieren. Wenn Sie sich Sorgen um einen Arbeitskollegen oder eine Arbeitskollegin machen, ist das Gespräch das Wichtigste, was Sie tun können.

Vielleicht beeinflusst das Alkoholproblem eines Kollegen oder einer Kollegin Ihre eigene Arbeit. Sprechen Sie dies an, denn es hilft niemandem, wenn Sie Arbeiten übernehmen, um die betroffene Person vor negativen Reaktionen von Vorgesetzten zu schützen.

In den letzten Monaten…

In den letzten Monaten haben wir im Team schon bemerkt, das er ab und zu eine deutliche Fahne mit auf die Arbeit nimmt, Arbeitszeiten vergessen hat, zu spät kam, nicht mehr konzentriert war. Er ist auch darauf angesprochen worden, zumal seine Arbeitsstelle in Gefahr gerät. Einige Tage ging es gut, und fast schien es, als ob er sein Problem erkannt hätte. Nun ist es so weit gekommen, das er letzte Woche gar nicht zur Arbeit kam, ihn auch niemand erreichen konnte. Ich für meinen Teil habe mir Sorgen um ihn gemacht, und bin schliesslich aufgebrochen um nach ihm zu sehen.

Aus einem Internetforum

Wenn Sie sich um die Arbeitssicherheit Sorgen machen, sprechen Sie Ihren Vorgesetzen darauf an.

Mehr Informationen dazu, was Sie tun können, wenn ein Arbeitskollege oder eine Arbeitskollegin ein Alkoholproblem hat, finden Sie in der Broschüre "Alkoholprobleme am Arbeitsplatz". Diese Broschüre können Sie auch auf der Webseite von Sucht Schweiz (Versandkosten werden in Rechnung gestellt) oder mit einem frankierten Rückantwortkuvert bestellen (Adresse unten stehend).

Wenn ein Vorgesetzter oder eine Vorgesetzte ein Alkoholproblem hat

Wenn es der Chef oder die Chefin ist, welche/-r ein Alkoholproblem hat, ist es für Angestellte oft nicht einfach zu reagieren, denn man fürchtet möglicherweise Konsequenzen und weiss nicht, an wen man sich wenden soll.

Wie man reagieren kann und will, hängt auch davon ab, welche Beziehung man zu der betreffenden Person hat. Bei einer freundschaftlichen Verbundenheit kann ein Gespräch auch auf dieser Basis gesucht werden. Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Seite "Eine nahestehende Person trinkt".

Falls ein Vorgesetzter oder eine Vorgesetzte in der Linie weitere Vorgesetzte hat, können diese auf das Problem hingewiesen werden, damit sie weitere Schritte einleiten können. Wenn keine weiteren Vorgesetzten da sind und der Vorgesetzte oder die Vorgesetzte niemandem ausserhalb der Firma Rechenschaft schuldet, gestaltet sich die Situation schwieriger. Dann bleibt Angestellten die Möglichkeit, das direkte Gespräch zu suchen. Dabei nimmt man natürlich auch in Kauf, möglicherweise auf taube Ohren zu stossen oder negative Konsequenzen zu tragen.

Wichtig ist in jedem Fall, dass es bei Gesprächen um die Sorgen geht, die man sich macht, und um Tatsachen, welche in letzter Zeit beobachtet wurden. Zum Beispiel häufige Absenzen, das Vernachlässigen von Aufgaben etc. Das Gespräch sollte nicht direkt auf den Alkohol fokussieren.

Ein Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin trinkt.

Informationen für Vorgesetzte

Lange Zeit war das Thema Alkohol am Arbeitsplatz tabu. Heute wird die Problematik zunehmend anerkannt. Die Arbeitswelt ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, entsprechend gibt es auch hier Menschen, die zu viel trinken. Alkoholprobleme können jede/-n treffen, unabhängig vom Geschlecht, vom Alter und von der beruflichen Position. Schätzungen zufolge sind rund vier Prozent der in der Schweiz wohnhaften Personen ab 15 Jahren alkoholabhängig. Dieses Verhältnis dürfte auch auf die Berufswelt zutreffen.  

  • Möchten Sie wissen, wie Sie reagieren können, wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin ein Alkoholproblem hat?
  • Möchten Sie für Ihren Betrieb ein Präventionsprogramm umsetzen?

Diese und weitere Fragen beantwortet die Website „Alkohol am Arbeitsplatz“ oder das Präventionsteam von Sucht Schweiz, Tel. 021 321 29 76.

Hilfsangebote

Beratungsstellen für Alkoholprobleme stehen Betroffenen und Nahestehenden zur Verfügung. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dieser Fachstellen unterstehen der Schweigepflicht. Die Beratung ist in der Regel kostenlos.

Adressen finden Sie im Telefonbuch unter „Beratungsstelle für Alkoholprobleme“, „Beratungsstelle für Suchtprobleme“, „Alkoholberatungsstelle“, „Suchtberatungsstelle“ oder unter www.infoset.ch (Rubrik: Beratung und Therapie/Ambulante Angebote).

Natürlich können Sie auch Sucht Schweiz anrufen, wir suchen Ihnen gerne Adressen von Fachstellen in Ihrer Region heraus: Tel. 021 321 29 76.

Informationen über Selbsthilfegruppen für Nahestehende erhalten Sie bei der regionalen Beratungsstelle und bei Al-Anon www.al-anon.ch.

Informationen über Selbsthilfegruppen von selbst Betroffenen erhalten Sie bei der regionalen Beratungsstelle und bei den Anonymen Alkoholikern www.anonyme-alkoholiker.ch.

Gemeinsam einen Weg finden

Von einem Alkoholproblem sind fast immer mehrere Personen betroffen: Die alkoholabhängige Person selbst, Angehörige, Freunde, Mitarbeitende oder Nachbarn. Besonders die nächsten Angehörigen – die Partnerin, der Partner oder die Kinder – leiden oft stark mit.

Der Weg aus einem Alkoholproblem braucht von allen Seiten viel Geduld. Vielleicht klappt der Ausstieg nicht auf Anhieb. Vielleicht gibt es Enttäuschungen. Vielleicht fallen gelegentlich harte Worte. Aber: Der Weg aus einer Alkoholabhängigkeit ist eine Herausforderung, die sich anzupacken lohnt. Es können alle nur gewinnen!   

Das Problem anerkennen

Oft sind es Nahestehende, die als Erste merken, dass etwas nicht mehr stimmt und das Problem ansprechen. Anerkennt auch die betroffene Person, dass der Alkohol für sie ein Problem ist, ist dies die Grundlage dafür, dass sich etwas verändern kann.

Einander verstehen

Die Situation und die Gefühle des anderen zu verstehen ist wichtig. Sich an die Stelle des anderen zu versetzen hilft, einander besser zu verstehen. Anzuerkennen, dass die Situation für beide schwierig ist, kann helfen, belastende Momente zu überwinden.

Erzählen Sie einander, wie es Ihnen geht. Sprechen Sie über sich selbst, nicht über das Gegenüber!

Es hilft auch, sich über die Situation des anderen zu informieren. Betroffene können beispielsweise Informationen für Nahestehende lesen, Nahestehende lesen die Informationen für Betroffene.

Verstehen bedeutet allerdings nicht, alles tolerieren zu müssen! Man kann ein Verhalten verstehen und es trotzdem nicht billigen. Sagen Sie Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner, wenn Sie mit ihrem oder seinem Verhalten nicht einverstanden sind.

Unterstützung hilft weiter

Der Weg aus einer Abhängigkeit ist manchmal steinig. Uneinigkeit bezüglich der nächsten Schritte oder Rückfälle können zu schweren Spannungen in der Beziehung führen. Hier ist Hilfe von aussen besonders wichtig. Alkoholberatungsstellen unterstützen Sie und helfen in schwierigen Situationen, Lösungen zu finden.

Für sich verantwortlich sein
„Wenn du den Alkohol endlich sein lassen könnest, würde es mir gut gehen!“
„Wenn du nicht immer an mir herumnörgeln würdest, müsste ich nicht mehr trinken!“
Ja, vielleicht… Vielleicht aber auch nicht.

Das eigene Wohlbefinden darf nicht in erster Linie davon abhängig sein, was das Gegenüber tut. Jeder und jede ist auch seines eigenen Glückes Schmied und für sich selbst verantwortlich. 

  • Wer ein Alkoholproblem hat und überwinden will, ist verantwortlich dafür, etwas zu verändern und sich die nötige Unterstützung zu holen. 
  • Nahestehende sollten nicht nur darauf hoffen, dass sich das Gegenüber sofort ändert. Sie können sich Hilfe holen und lernen, wie sie sich entlasten können. 

Nichts geht mehr…

Es kann sein, dass man Grenzen erreicht, die auch die Partnerschaft in Frage stellen. Alkoholprobleme können, wie andere Probleme auch, ein Grund zur Trennung sein. So unterschiedlich jede Partnerschaft von der anderen ist, so individuell sind auch die Lösungen in einer Krise. Während manche nur den Weg der Trennung sehen, gestalten andere das Zusammenleben neu oder trennen sich auf Zeit.

Eine Paartherapie kann helfen, mit Konflikten umzugehen und eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Früher war ich verzweifelt…

Früher war ich verzweifelt. Ich habe trotz etlicher Entzüge, Therapie usw. so viele Rückfälle erlebt.

Wenn das sein Leben ist, seine Entscheidung ist, weiter zu trinken, muss ich das respektieren! Er ist trotz seiner Krankheit ein selbstverantwortlich handelnder Mensch. Leider hat er nicht die Kraft und/oder den Willen das Leben ohne den Alk auszuhalten. Okay! Ich sage mir inzwischen: Gut, dann ist das eben so! Das ist sein Weg! Er hatte alle Chancen, Mittel und Wege, davon wegzukommen. Vor allem viele Menschen auf seinem Weg, die ihn sehr lieben und jederzeit unterstützt haben.

Aber ich habe die Kraft und den Willen, ohne ihn leben zu wollen und ich weiss, dass das geht. Ich bin keine gute Schwimmerin, aber übe mich gerade im Freischwimmen. Weiterschwimmen, immer weiter, einen Arm nach dem anderen nehmen, die Augen geschlossen halten, Luft holen und nicht nach hinten gucken.

Aus einem Internetforum

Das Ziel ist erreicht! Und nun?

Wenn sich jemand aus einer Abhängigkeit befreit, ist es möglich, dass er oder sie sich stark verändert. Für Angehörige ist es häufig nicht leicht, sich darauf einzustellen. Die betroffene Person nimmt einen neuen Platz und eine andere Rolle in Partnerschaft und/oder Familie ein. Und sie äussert ihre Bedürfnisse und Wünsche. 

Für die Angehörigen heisst es dann, wieder zu einem Gleichgewicht in der Familie zu finden. Oft hat ein Partner jahrelang für den anderen Verantwortung getragen. Nun heisst es, diese wieder abzugeben. Das ist nicht immer leicht, denn die doppelte Verantwortung ist nicht nur Last, sondern kann auch Quelle von Wertschätzung sein. 

Ich musste feststellen…

Ich musste feststellen, dass mein Leben als Co-Abhängige mir auch Probleme bereitet, ohne dass Alk im Spiel ist. Ich merke einige von den Co-Zügen wenns um die Kinder geht. Klar, es ist nicht so dramatisch wie mit meinem Ex, aber die Strukturen sind die gleichen. Ich mache z.B. viele Sachen für meine Söhne, die sie eigentlich auch selber machen können. Auch sage ich oft ja wenn ich nein meine.

Da muss ich wirklich sehr aufpassen. Nicht dass die Kinder mir weh tun, ich bin selber mit mir nicht zufrieden, weil ich ihnen erlaube, die Grenzen zu überschreiten.

Mein zweites grosses Problem ist meine Beziehung. Es fehlt mir die Action ‒ damit meine ich die Dramatik, Lügen, Streit... Nein, eigentlich fehlt mir das nicht, nur irgendwie ist es ohne alles so lau. Obwohl ich mich soooo gut dabei fühle, diese Sicherheit, Beständigkeit, Geborgenheit, ich möchte es nicht verlieren.

Und doch... da ist diese Leere, Leere nach dem „Stoff" die ich immer noch nicht füllen kann.

Aus einem Internetforum

Viele Menschen, die sich von einem Alkoholproblem befreien, tragen schwer an der Vergangenheit. Sie fühlen sich für das schuldig, was die Familie wegen ihres Alkoholkonsums erlebt hat, und möchten es wiedergutmachen.

Auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht in der Familie ist die Unterstützung durch eine Alkoholberatungsstelle und eine Familien-/Paartherapie hilfreich. Dies erleichtert das Gespräch und kann helfen, Spannungen abzubauen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Prävention eines Rückfalls.

Wer sind wir?

Sucht Schweiz will Probleme verhüten oder vermindern, die aus dem Konsum von Alkohol, anderen psychoaktiven Substanzen oder potenziell abhängigkeitserzeugenden Verhaltensweisen hervorgehen. Sucht Schweiz konzipiert und realisiert Präventionsprojekte, engagiert sich in der Gesundheitspolitik und der psychosozialen Forschung. Sie ist eine private, parteipolitisch unabhängige Organisation mit gemeinnützigem Zweck.

Mehr Informationen über Sucht Schweiz.

Für Jugendliche und junge Erwachsene

Die Informationen auf dieser Website richten sich in erster Linie an Erwachsene.

Für Jugendliche und junge Erwachsene gibt es speziell auf sie angepasste Angebote, zum Beispiel:

 
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